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Ein Freund hat mich gefragt “Wie bewerbe ich mich rich­tig?”, weil ich auch eine Zeit­lang als Recrui­ter gear­bei­tet habe.
 
Aus die­sem Anlaß ver­öf­fent­li­che ich hier eine kleine Serie von Arti­keln zu die­sem Thema.

Dies ist der erste Arti­kel die­ser Serie.

Fan­gen wir mit der wich­tigs­ten Frage an:

Wer liest meine Bewerbung?

Was pas­siert mit mei­ner Bewer­bung? „Da stel­len wir uns ‘mal ganz dumm!” (Zitat aus der Feu­er­zan­gen­bowle).

Stel­len Sie sich vor, Ihre Bewer­bung trifft bei dem Unter­neh­men ein, bei dem Sie sich bewor­ben haben.

Wenn es sich um eine schrift­li­che Bewer­bung bei einem Groß­un­ter­neh­men han­delt, wird sie in der Post­stelle ein­tref­fen. Anhand der Emp­fän­ger­in­for­ma­tion wird Ihre Bewer­bung fir­men­in­tern zuge­stellt. Diese Infor­ma­tio­nen müs­sen also schon als Ers­tes stimmen!

Ers­ter Leser: Der fach­li­che Laie

Emp­fän­ger ist dabei – wie bei elek­tro­ni­schen Bewer­bun­gen – die Per­so­nal­ab­tei­lung. Ein Sach­be­ar­bei­ter liest sich dort Ihre Bewer­bung durch und ver­sucht, sie vor­zu­klas­si­fi­zie­ren und zu fil­tern. Dies ist also Ihr ers­ter Adres­sat. Nor­ma­ler­weise hat die­ser wenig bis gar keine Ahnung von der Fach­seite. In klei­ne­ren Unter­neh­men ist das oft der Sekre­tär.
In weni­gen Sekun­den über­fliegt er Ihre Bewer­bung — in die­ser Zeit muß er alle not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen fin­den. Er wird also kurz das Anschrei­ben lesen und sich dann mit dem Qua­lif­ka­ti­ons­pro­fil befas­sen. Anhand gewis­ser Vor­ga­ben, die man ihm gemacht hat, fil­tert er die Bewer­bun­gen (Bei­spiel: Min­des­tens zwei von drei in der Anzeige genann­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen müs­sen Sie erfül­len).
Das impli­ziert, daß diese in in Ihrer Bewer­bung vor­kom­men müs­sen, am Bes­ten sowohl im Anschrei­ben als auch im Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil. Und zwar so, daß sie Ihrem ers­ten Adres­sa­ten gleich ins Auge sprin­gen — Syn­onyme kann er man­gels Fach­wis­sens nicht über­set­zen.
Dies bedeu­tet auch, daß Sie Ihre Bewer­bung auf die Wunsch­po­si­tion zuschnei­den müs­sen. Ver­ab­schie­den Sie sich von Stan­dard­be­wer­bun­gen! Geübte Leser erken­nen diese schnell!
Der zwei­ten Adres­sat Ihrer Bewer­bung ist sehr geübt.

Zwei­ter Leser: Der Personaler

Die­ser sitzt typi­scher­weise in der Per­so­nal­ab­tei­lung und beschäf­tigt sich mehr oder min­der haupt­be­ruf­lich mit Bewer­bun­gen.
Er erhält die vor­ge­fil­ter­ten Bewer­bun­gen und nimmt sich einige Minu­ten Zeit für jede. Er ist der Erste, der Ihre Bewer­bung als Gan­zes zumin­dest über­fliegt und den Sie über­zeu­gen müs­sen.
Kon­zen­trie­ren Sie sich dabei auf die Teile Ihrer Bewer­bung, auf die er sich kon­zen­triert: Anschrei­ben und Lebens­lauf. Da er näm­lich den fach­li­chen Hin­ter­grund nur begrenzt ver­steht, über­fliegt er die Pro­jekt­liste nur kurz.
Die ein­schlä­gi­gen Buz­zwords kennt er aller­dings und prüft, ob sie in der Bewer­bung vor­kom­men, ins­be­son­dere auch im Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil. Auf­grund sei­ner Erfah­rung wird ihm ein Standard-​​Anschreiben auf­fal­len, umge­kehrt aber auch ein gut for­mu­lier­tes (auf die ein­zel­nen Teil­do­ku­mente gehe ich im nächs­ten Teil detail­liert ein).
An Ihrem Lebens­lauf inter­es­sie­ren ihn Ihre vor­he­ri­gen Arbeit­ge­ber, die dort aus­ge­füll­ten Posi­tio­nen, Ihre Kun­den und Ihre Auf­ga­ben­ge­biete bzw. Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che. Idea­ler­weise gehen alle diese Punkte aus Ihrem Lebens­lauf her­vor und sind mit der neuen Auf­ga­ben­stel­lung ver­gleich­bar. Wenn die neue Posi­tion nicht naht­los aus der alten ableit­bar ist, müs­sen Sie den Sprung im Anschrei­ben plau­si­bel begrün­den.
Ist es Ihnen gelun­gen, den Per­so­na­ler zu über­zeu­gen, so gehört Ihre Bewer­bung zu den weni­gen, die an den drit­ten Adres­sa­ten wei­ter­ge­lei­tet werden.

Drit­ter Leser: Der Fachmann

Typi­scher­weise ist das Ihr zukünf­ti­ger fach­li­cher Vor­ge­setz­ter. Als sol­cher setzt er ganz andere Akzente. Das Anschrei­ben liest er nur kurz, ebenso das Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil.
Die Qua­li­fi­ka­tio­nen kann er näm­lich aus Ihrer Pro­jekt­liste her­aus­le­sen, die ihn am Meis­ten inter­es­siert. Dort sucht er Pro­jekte, die mit Ihren Auf­ga­ben ver­gleich­bar sind. Als Nächs­tes liest er Ihren Lebens­lauf. Auch dort sucht er ver­gleich­bare Posi­tio­nen, Auf­ga­ben­ge­biete und Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che. Sein Augen­merk liegt auf der fach­li­chen Qua­li­fi­ka­tion.
Er ist der Zweite, den Sie über­zeu­gen müs­sen und der, der Ihre Bewer­bung am inten­sivs­ten prüft, zu dem Sie aber erst vor­drin­gen kön­nen, wenn die Bewer­bung auch die bei­den vor­ge­schal­te­ten Prüf­ins­tan­zen zufrie­den­ge­stellt hat.

Allen Lesern gerecht werden

Da alle drei Adres­sa­ten­grup­pen unter­schied­li­che Bedürf­nisse und Schwer­punkte haben, muß die Bewer­bung so abge­faßt sein, daß sie allen dreien gerecht wird.
Wie beschrie­ben wer­den gewisse Doku­mente von einem Adres­sa­ten bevor­zugt gele­sen und andere nur über­flo­gen (wenn über­haupt). Das wie­derum bedeu­tet, daß die rele­van­ten Infor­ma­tio­nen in allen Doku­men­ten ent­hal­ten sein müs­sen. Scheuen Sie sich nicht vor Mehr­fach­nen­nun­gen! Im Gegen­teil: Sie kön­nen nicht erwar­ten, daß jeder Leser alles liest, das wird eher die Aus­nahme blei­ben – zum Bei­spiel wenn es Ihnen gelun­gen ist, mit Ihrer Bewer­bung zu über­zeu­gen.
Der Regel­fall sind Leser, die rela­tiv wenig Zeit für die Lek­türe haben und in die­ser kur­zen Zeit die Infor­ma­tio­nen fin­den müs­sen, die sie brau­chen. Auf die­ser Basis wird die Ent­schei­dung „Hopp oder Top” gefällt!
Dies müs­sen Sie berück­sich­ti­gen und Ihre Doku­mente ent­spre­chend aufbauen.

Auf die ein­zel­nen Doku­mente gehe ich im Detail im zwei­ten Teil der Serie ein.

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