In der jüngs­ten Bran­chen­um­frage des BITKOM-​​Verbandes (Bun­des­ver­ban­des Infor­ma­ti­ons­wirt­schaft, Tele­kom­mu­ni­ka­tion und neue Medien) mel­de­ten rund 60% der deut­schen IT-​​Unternehmen offene Stel­len. Das ent­spre­che etwa 18.000 unbe­setzten Posi­tio­nen bei die­sen Unter­neh­men, berich­tet das Maga­zin „Han­dels­blatt Junge Kar­riere“ in sei­ner aktu­el­len Aus­gabe. Wei­tere rund 25.000 Stel­len seien bei den IT-​​Anwendern frei, dort vor Allem in Han­del, Ban­ken und Versicherungen.

Der Arbeits­markt ist leer gefegt“, klagt Bikom-​​Präsident Scheer im Magazin.

Vor allem Aka­de­mi­ker wür­den knapp. Drei von vier aus­ge­schrie­be­nen Stel­len in der IT-​​Branche erfor­der­ten einen fach­lich rele­van­ten Uni­ver­si­täts– oder Fach­hoch­schul­ab­schluss. Doch ein Stu­dium der Mathe­ma­tik, Infor­ma­tik, Natur­wis­sen­schaft oder Tech­nik könn­ten hier­zu­lande gerade ein­mal zwei Pro­mille der Beschäf­tig­ten auf­wei­sen, berich­tet das Maga­zin unter Beru­fung auf den OECD-​​Bildungsbericht.

Immer weni­ger Stu­den­ten wür­den sich für ein Info­ma­tik­stu­dium ent­schei­den: 2000 wären es in Deutsch­land rund 38.000 Stu­di­en­an­fän­ger gewe­sen, 2006 nur noch knapp 28.500, also ein Minus von 25 Pro­zent. Erwar­tet werde, dass künf­tig auch die Zahl der Absol­ven­ten falle – von 15.360 im Prü­fungs­jahr 2006 auf unter 14.000 in 2010.

Diese Vor­her­sage steht im Wider­spruch zur bis­he­ri­gen Ent­wick­lung. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt haben 2006 15.400 Absol­ven­ten ihr Infor­ma­tik­stu­dium abge­schlos­sen, das ist ein Zuwachs von 13% gegen­über 2005 und 117% gegen­über 1997. Die erste Hälfte des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts schwank­ten die Abs­oven­ten­zah­len. Seit 2003 ver­zeich­net das Fach zwei­stel­lige jähr­li­che Zuwachs­ra­ten — gene­rell die höchs­ten im Fach­ge­biet Mathematik/​Naturwissenschaften.
Nach­dem 1997 der Frau­en­an­teil bei Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten der Infor­ma­tik 13% betra­gen hatte, ging er in den Jah­ren 2000 und 2002 auf 11% zurück und stieg seit­dem nur in klei­nen Schrit­ten wie­der an. 2006 lag er bei 17%, das ist immer noch deut­lich weni­ger als im Ver­gleich zum Fach­ge­biet Mathematik/​Naturwissenschaften mit 39% und zu den 50% über alle Stu­di­en­fä­cher.
Die Zahl der soge­nann­ten Bil­dungs­aus­län­der, die ihr Abitur o.ä. im Aus­land erwor­ben und dann erfolg­reich ein Infor­ma­tik­stu­dium absol­viert haben, hat sich in den ver­gan­ge­nen 10 Jah­ren auf 1.300 mehr als ver­vier­facht, ebenso die der Bil­dungs­in­län­der (= Aus­län­der mit deut­schem Abitur o.ä.) unter den Absol­ven­ten auf 500.

Diese Zah­len schla­gen sich auch in der offi­zi­el­len Arbeits­markt­sta­tis­tik nie­der, wie heise​.de berichtet:

Arbeitslosenzahlen Informatik Januar 2006 2007 2008

Es sind so wenige Infor­ma­ti­ker arbeits­los, wie schon lange nicht mehr. Von über 50.000 im Januar 2006 ist die Arbeits­lo­sig­keit auf unter 30.000 im Januar 2008 zurück­ge­gan­gen. Inter­es­sante Rand­no­tiz: Wie oben­ste­hende Gra­fik zeigt, kennt die Bun­des­agen­tur für Arbeit weni­ger als 7.000 offene Stel­len, das sind weni­ger als 16% der vom BITKOM gemel­de­ten — offen­sicht­lich fin­det der Arbeits­markt nahezu voll­stän­dig außer­halb des Wir­kungs­be­rei­ches der Agen­tur statt. Aus mei­ner per­sön­li­chen Erfah­rung sowohl als Arbeits­su­chen­der als auch als Job­ver­mitt­ler wun­dert mich das nicht. Alleine die mit min­des­tens 163 Mil­lio­nen Euro sub­ven­tio­nierte Soft­ware „vir­tu­el­ler Arbeits­markt“ ist eine Kata­stro­phe, geschweige denn das A2LL-​​Debakel.

Die Nach­frage wirkt bereits auf die Gehäl­ter. „Junge Kar­riere“ hebt da beson­ders SAP– und IT-​​Berater her­vor, sie ver­dien­ten als Berufs­an­fän­ger mit bis zu zwei Jah­ren Erfah­rung zwi­schen 38.000 und 48.000 Euro im Jahr. Das Durch­schnitts­ge­halt eines ent­spre­chen­den Software-​​Entwicklers liege dage­gen zwi­schen 35.000 und 42.000 Euro; Fach­leute für IT-​​Sicherheit (ver­mut­lich ebenso Berufs­an­fän­ger) ver­dien­ten zwi­schen 35.500 und 43.000 Euro.

Die von mir bereits mehr­fach emp­foh­lene Seite Gehalts­liste IT und Medi­zin — Gehalt­scheck und umfas­sende Gehalts­über­sicht für Pro­fes­sio­nals der Per­so­nal­be­ra­tung HiTec Con­sult bleibt mit den dort genann­ten Ein­stiegs­ge­häl­tern übri­gens darunter.

Die Com­pu­ter­wo­che, die noch im Herbst von stei­gen­den IT-​​Manager-​​Gehältern berich­tet hatte, mel­det nun 4% Gehalt­stei­ge­rung bei IT-​​Führungskräften. Auch in den nächs­ten Jah­ren könn­ten sie mit stei­gen­den Gehäl­tern rech­nen.
Ein über­durch­schnitt­li­ches Plus von 8% könn­ten die Pro­jekt­lei­ter ver­bu­chen, die im Vor­jahr „zu kurz gekom­men“ seien. Mit Per­so­nal­ver­ant­wor­tung stiege ihr Gehalt von 81.200 auf 88.000 Euro, ohne diese von 60.000 auf 65.000 Euro.
Ins­ge­samt geht die Com­pu­ter­zei­tung wegen der Per­so­nal­knapp­heit von wei­ter stei­genden Gehäl­tern aus. Gleich­zei­tig gestal­te­ten Unter­neh­men die Ent­gelte ihrer IT-​​Führungskräfte immer varia­bler und dif­fe­ren­zier­ter. Grö­ßere Gehalts­un­ter­schiede wür­den zuge­las­sen.

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